Eine Minute Training – Könnte es wirklich funktionieren?

Da bin ich doch letztens über diesen Beitrag von “Creating a Better Life”(wohl das englische Pendant zu meinem Blog) gestolpert, von dem ich mal ganz dreist meinen Titel abgeleitet habe: “One minute excercise – you must be joking!”. Der Titel ist natürlich ein Hingucker – wer würde sich nicht wünschen, mit nur einer Minute Training am Tag nennenswerte Erfolge zu erleben?

Natürlich bleibt es nicht bei der einen Minute und die Minute ist auch gar nicht der springende Punkt. Es könnten auch 30 Sekunden oder 2 Minuten sein. Wichtig ist: Klein anfangen. In genanntem Artikel beruft man sich auf das japanische Kaizen-Prinzip (wo wären wir nur ohne fernöstliche Weisheiten, das aber meiner Meinung nach ganz andere Ansätze verfolgt – darauf kommt es hier allerdings nicht an.

 

Die Sache mit dem Gummiband

Wie dem auch sei, unser Kopf/Körper/Geist mag offensichtlich keine drastischen Veränderungen. Das ist quasi wie mit einem Gummiband – je stärker wir uns dagegenstemmen, desto heftiger wirft es uns wieder zurück. Wenn man sich vornimmt, morgen einen Halbmarathon zu laufen, nachdem die Joggingschuhe 2 Jahre lang im Keller verstaubt sind, kann man sich das Ergebnis leicht vorstellen. Mal abgesehen davon, dass man sich damit übernimmt, findet man am nächsten Tag mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit 1000 gute Gründe, um sich doch mit einer Pizza auf die Couch und vor den Fernseher zu verdrücken. Und genau da setzt das 1-Minuten-Konzept an.

Anstatt nun zwei Stunden einzuplanen, nehmen wir uns eine Minute vor. Eine Minute Training – meinetwegen Kniebeugen, im Stand laufen, völlig beliebig. Und Schluss. War das so schwer? Eine so kleine Trainingseinheit fällt unserem inneren Schweinehund gar nicht erst auf, also müssen wir ihn auch nicht überwinden.

 

Tricks den inneren Schweinehund einfach auszutricksen

Da damit weder Traumfigur noch Olympiateilnahme in greifbarere Nähe rücken, steigern wir das Ganze. Aber langsam, nicht übermittig werden – schlafende Schweinehunde soll man nicht wecken. Nach einer Woche einminütigem Training steigern wir uns auf zwei Minuten. Immer noch nicht tragisch – oder? Kaizen sei dank. Und so weiter und so fort… und siehe da – nach einem Jahr trainieren wir fast eine ganze Stunde. Das ist natürlich nicht der schnelle und einfache Weg, den wir uns alle wünschen, aber den gibt es einfach nicht. Aber, wenn du die Wahl hast: Eine halbe Stunde am Tag Sport treiben und es nicht einhalten geschweige denn dauerhaft durchhalten, oder kontinuierlich eine Minute mehr zu trainieren und so das Ziel auf jeden Fall mittel bis langfristig zu erreichen – wie würdest du wählen?

 

Quod erat demonstrandum – was zu beweisen war

Ich schreibe ja nur ungern über Dinge, die ich nicht an mir selbst ausprobiert habe, was in diesem Fall besonders einfach ist: Ohne Wissen über Kaizen oder sonstige asiatische Philosophien habe ich fast genau dieses Konzept vor ca. zwei Jahren dazu genutzt, 20 kg abzunehmen. Meine Mutter hat mir damals einen Plan zum Joggen in die hand gedrückt, eine Art Aufbautraining, dessen erste einheit 3×1 Minute joggen mit jeweils einer Minute gehen dazwischen war. Für die nächste Einheit waren es dann 2×2 Minuten, auch mit einer Minute Gehen dazwischen. Und immer so weiter. Ich habe das mit meiner damaligen Lebensgefährtin betrieben, und das Ergebnis war, dass wir nach einem halben Jahr 2 Stunden am Stück joggen waren! Gut, die Schritte waren etwas größer, wir haben es nicht jeden Tag gemacht und die Erhöhungen fanden dann statt, wenn wir uns auf dem aktuellen Stand wohlfühlten – das Prinzip bleibt aber das Gleiche, und es hat gewirkt.

Man kann das natürlich auch auf alles andere Anwenden. Du trinkst zuviel Kaffee? Jede Woche die Menge um einen Schluck reduzieren. Du willst endlich dein erstes Buch fertigbekommen? Eine Minute am Tag schreiben. Da ich das ein-minuten-kaizen-konzept auch nochmal austesten will, aber mittlerweile in einer optimalen Woche sowieso schon 5xSport betreibe, werde ich auch genau das ausprobieren. Ich habe mich nur noch nicht entschieden, ob ich die eine Minute fürs Schreiben oder für ein Web-Projekt investieren werde. Jedenfalls werde ich es tun und dann berichten.

Wie sieht es bei euch aus? Versucht ihr auch, etwas auf diese Weise zu realisieren, und wenn ja, was?

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